Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung
Verdacht: Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung
Zwischen 2005 und 2025 wurden im Umkreis von über 1.500 Mobilfunksendeanlagen Baum- und Waldschäden dokumentiert – häufig ergänzt durch Hochfrequenzmessungen. Einseitig beginnende Kronenschäden, Unterschiede zwischen oberen und unteren Kronenbereichen, Wachstum in die Breite, Unterschiede in Baumreihen, Unterschiede zwischen Funkschatten und Hochfrequenzexposition sowie die Verteilung von neu aufgetretenen Lücken im Bergwald weisen auf einen kausalen Zusammenhang hin. Die Schäden nehmen mit großer Geschwindigkeit zu. Da die Baumschäden auch an Gewässern auftreten, kann Trockenheit nicht die alleinige Ursache der Zunahme sein. Bei der Festlegung von Grenzwerten wurde lediglich die Wärmewirkung durch Mikrowellenstrahlung berücksichtigt, biologische Effekte beim Menschen und Wirkungen auf Tiere und Pflanzen wurden nicht berücksichtigt.
Soeben ist der neue erweiterte Bildband „Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung“ erschienen (286 Seiten, 15,90 €). Bestellmöglichkeiten:
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diagnose:funk
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Kurz zur Vorgeschichte
Nach der Veröffentlichung des Bamberger Appells im Jahr 2004, in welchem 130 Ärzte vor dem weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes warnten, wandten sich zahlreiche erkrankte Anwohner von Mobilfunksendeanlagen an die „Ärzteinitiative Bamberger Appell“ mit der Bitte um Rat und Hilfe. Daraufhin besuchten Mitglieder der Ärzteinitiative die Betroffenen zu Hause, dokumentierten die Symptome und führten Hochfrequenzmessungen durch. Anlässlich dieser ärztlichen Hausbesuche zeigten uns die Betroffenen, dass häufig gleichzeitig mit ihren Symptomen Veränderungen und Schäden an Bäumen (Blätter, Krone, Stamm, Wachstum) begonnen hatten. Laub- und Nadelbäume sowie Sträucher waren betroffen. Einseitig beginnende Kronenschäden, jeweils auf der Baumseite, die einem Mobilfunksender zugewandt war, sowie der Kontrast zwischen geschädigten Bäumen vor dem Haus – mit Sichtverbindung zu einem Sender – und gesunden Bäumen hinter dem Haus – ohne Sichtverbindung – machten uns besonders nachdenklich (siehe Abbildung).
Rundgänge an sämtlichen Bamberger Mobilfunksendeanlagen zeigten im Umkreis jeder Sendeanlage einseitig beginnende Kronenschäden und einen deutlichen Unterschied zwischen exponierten und nicht exponierten Bäumen. Messungen zur Exposition ergaben auf der dem Sender zugewandten Seite 2100 μW/m², auf der dem Sender abgewandten Seite lediglich 290 μW/m². Siehe auch: „Baumschäden im weiteren Umkreis von Mobilfunksendeanlagen (Entfernungen zwischen 400 m und 4 km) – 40 Beispiele aus Bamberg (2007-2018)“
Bereits frühe Hinweise auf Baumschäden
Eine Literaturrecherche [Link unterlegen mit Datei: „1924-2024_Literatur_Beispiele“] ergab, dass Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (Radar, Richtfunk, Rundfunk, Fernsehen) auf Pflanzen ab 1930 wissenschaftlich nachgewiesen
wurden. Dipl. hort. Dr. phil. nat. Aloys Bernatzky, Gartenarchitekt, Fachmann für Baum- und Naturschutz, Pionier der Stadtökologie, beobachtete bereits 1985 im Einflussbereich von Fernseh-umsetzern senderseitig auftretende Kronenschäden.
In dem Lehrbuch „Baumkunde und Baumpflege“ veröffentlichte er im Jahr 1994 Informationen über das Spektrum der elektromagnetischen Felder und Richtfunk. Er führte Forschungsberichte sowie die Beobachtungen und Abschirmexperimente
von Ingenieur Ermer auf – mit Abbildungen.
Fazit: WHO forderte Untersuchungen von Bäumen bereits im Jahr 1999
Zeichnung von Bernatzky aus dem Lehrbuch „Baumkunde und Baumpflege“, Bernhard Thalacker Verlag, 1994, 5. erweiterte Auflage.
Ab 2004 untersuchten Forschergruppen u. a. aus Frankreich, Niederlande, Indien und Griechenland in Laborexperimenten Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern, wie sie beim Mobilfunk zum Einsatz kommen, auf Pflanzen. In über 200 Studien fanden Wissenschaftler Auswirkungen auf Keimung, Entwicklung, Wachstum von Wurzel und Spross, Morphologie, Zellmembranen und Zellstoffwechsel. Viele verschiedene Pflanzenarten wurden untersucht. Häufig waren reaktive Sauerstoffverbindungen (reactive oxygen species, ROS) erhöht, die die Zellmembran oder die DNA schädigen können. Dies ist ein Zeichen für oxidativen Stress, wie er auch beim Menschen beobachtet wird. Die Effekte traten unterhalb der geltenden Grenzwerte auf.
Am 02.08.06 stellte Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Volker Schorpp auf dem Fachgespräch des Bundesamts für Strahlenschutz „Gesundheitliche Auswirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks – Befundberichte“ [Link unterlegen mit Datei: „2006_Schorpp_Präsentation_BfS“] Indizien für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Baum- bzw. Wald-schäden und chronischen Hochfrequenzbelastungen vor (Mobilfunk, Radar, Richtfunk, terr. Rundfunk und Fernsehen). Wir wandten uns an die zuständigen Fachbehörden und Ministerien sowie an Wissenschaftler mit der Bitte, wissenschaftliche Studien zur Überprüfung des Verdachtes zu veranlassen. Am 13.11.07 teilte Dr. A. Dehos, Bundesamt für Strahlenschutz, auf Nachfrage mit: „Zu möglichen Auswirkungen hochfrequenter Felder auf Pflanzen gibt es von wissenschaftlicher Seite bisher keine klaren Hinweise. Daher messe ich dieser Frage ebenfalls keine Priorität bei.“
Da keine Untersuchungen von Bäumen und Wäldern im Einflussbereich von Mobilfunksendeanlagen in die Wege geleitet wurden, begannen Mitglieder der Ärzteinitiative neben den Krankheitssymptomen der Menschen die objektiv sichtbaren Baum- und Waldschäden zu dokumentieren.
Im Jahr 2010 wurden Ergebnisse der Literaturrecherche zusammengefasst. Im Jahr 2013 stellte der Artikel „Baumschäden im Umkreis von Mobilfunksendeanlagen“ [Link unterlegen mit Datei: „2013_Waldmann-Selsam.Eger_umg“] die Beobachtungen der Ärzteinitiative vor (hier auch in englischer Fassung [Link unterlegen mit Datei: 2013_Waldmann-Selsam, Eger_umg_Englisch]). Im Jahr 2016 untermauferte die Studie über einseitig beginnende Kronenschäden „Radiofrequency radiation injures trees around mobile phone base stations“den Verdacht. [Link unterlegen mit Datei: „2016a_Waldmann-Selsam_Balmori_Breunig “]
Im Jahr 2017 erschien der Beobachtungsleitfaden „Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung“ von Diplom-Forstwirt Helmut Breunig (hier auch in englischer Fassung [Link unterlegen mit Datei: 2017_Breunig_Observation_Guide]). Im Jahr 2019 wurden auf dem Internationalen Workshop „Environmental effects of electric, magnetic and electromagnetic fields: Flora and fauna“ [Link unterlegen mit Datei: „2019_Vorstellung_Baumstudie_bei_Workshop_BfS_071119“] des Bundesamts für Strahlenschutz Beispiele aus der Studie von 2016 im zeitlichen Verlauf, Beispiele einseitiger Kronenschäden aus Berlin, Darmstadt, München, Göttingen, Freiburg und Brüssel, Entwicklungsstörungen junger Bäume sowie die Entstehung von Waldlücken im Hochfrequenzfeld vorgestellt.
Im Jahr 2021 veröffentlichten Forstwissenschaftler die Studie “The effects of base station as an electromagnetic radiation source on flower and cone yield and germination percentage in Pinus brutia“. Die Wissenschaftler fanden Auswirkungen
einer Mobilfunk-Basisstation auf den Blüten- und Zapfenertrag sowie den Prozentsatz der Samenkeimung bei der Kiefernart Pinus brutia. Im Jahr 2022 zeigte die Broschüre
„Baumschäden durch Mobilfunkstrahlung – Beispielhafte Beobachtungen aus dem Zeitraum 2005-2021“ Baumschäden aus verschiedenen Orten. Im Jahr 2025 dokumentiert der oben angegebene Bildband durch eine Vielzahl von Beispielen,
dass die Schäden häufig auch an Gewässern und an klimatoleranten Baumarten aufgetreten sind und dass die Entwicklung eine erhebliche Gefährdung darstellt.
Im Jahr 1999 wurde auf der Tagung von WHO, ICNIRP und dem Bundesamt für Strahlenschutz “Effects of Electromagnetic Fields on the Living Environment” eindringlich zu Forschungsprojekten aufgerufen: „Einflüsse dieser Felder auf Pflanzen, Tiere, Vögel und andere lebende Organismen sind nicht gründlich untersucht worden. Da ungünstige Auswirkungen auf die Umwelt das menschliche Leben letzten Endes in Mitleidenschaft ziehen, ist es schwer zu verstehen, warum nicht mehr Arbeit gemacht wurde. Es gibt viele Fragen, die gestellt werden müssen (…) es scheint, dass sich die Forschung auf die Langzeitwirkung niedriger EMF-Exposition, für die fast keine Information verfügbar ist, konzentrieren sollte (…). Zu den spezifischen Themen, mit denen man sich befassen muss, gehören: (…) EMF-Einflüsse auf Pflanzen in der Landwirtschaft und auf Bäume.“ (Zitat aus dem Tagungsband, im Original englisch)
Das Bundesamt für Strahlenschutz war dieser Aufforderung nicht nachgekommen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte keine Forschungsprojekte in Auftrag gegeben.